Praxis Dres. Scholber, Fröhlich, Höbbel-Schnell

Zum ersten mal unterwegs mit Humedica

Am 11. Dezember 2005 ging es endlich los… nach Absolvierung des Humedica-Basislagers, in dem wir Vieles über die Organisationsstrukturen der humanitären Hilfe und das richtige Verhalten im Einsatz gelernt hatten, sollte dieses neu erworbene Wissen nun an der Wirklichkeit erprobt werden.

Für mich war es der erste humanitäre Hilfseinsatz, die erste Reise nach Afrika und das erste Mal, viele Wochen von den geliebten Menschen daheim getrennt zu sein.
Entsprechend gross war die Aufregung, als ich allein die mindestens 3-tägige Reise in den Sudan antrat. Es ging über Düsseldorf und Dubai nach Khartoum, wo glücklicherweise unser Kontaktmann vor Ort mich abholte und in die angemieteten Räumlichkeiten unserer Organisation brachte.


Hier bekam ich meine erste Lektion: Nichts geht so schnell und reibungslos wie zu Hause – und so saß ich erst einmal 2 Tage fest, bis die notwendigen Papiere für die Weiterreise besorgt waren.

Wie eine Reise ans Ende der Welt

Der Flug in den Westsudan nach Nyala kam mir ein wenig vor wie eine Reise ans Ende der Welt – über Stunden nur Wüste, keine Strassen, kaum Spuren menschlicher Besiedlung, der eine oder andere Zwischenstopp auf Wüstenpisten.
Schließlich am Ziel angekommen und von den lieben Menschen von Humedica herzlich empfangen, staunte ich nicht schlecht, die Infrastruktur dieser ehemals recht unwichtigen Provinzstadt von 50000 Einwohnern zu sehen. Vor Ort waren an die 90 internationale Hilfsorganisationen, alle mit entsprechendem Personal, Fahrzeugpark und Compound (das ist sozusagen das Basislager vor Ort, Wohn- und Schlafraum, Büro, Medikamentenlager, Kommunikationszentrale u.v.m.), außerdem sehr viel sudanesisches Militär und auch internationale Truppen der afrikanischen Union. Humedica war damals eine der kleinern Hilfsorganisationen in Nyala; wir waren 4 Expatriats (ausländische Helfer) und ca. 50 Einheimische. Die Expatriats lebten zusammen in einem landesüblichen, mit Mauern umgebenen Wohnhaus, sehr idyllisch mit schattigen Innenhof und auch recht einfach – aber es fehlte uns an nichts.

Allgegenwärtige Reitermilizen

Morgens fuhren wir dann – wegen der allgegenwärtigen Djanjawid (Reitermilizen) aus Sicherheitsgründen im Konvoi und mit Funkgerät, Handy und Satellitentelefon bewaffnet – ca. 10 km aus der Stadt hinaus zum Flüchtlingscamp El Shereif, in dem zum damaligen Zeitpunkt ca. 10000 Menschen lebten. Wir, d.h. ein sudanesischer Kollege, ein Medizinstudent und ich, waren zusammen mit dem einheimischen Personal zuständig für die basismedizinische Versorgung der Menschen im Lager. Hierzu gehörte auch eine Geburtsklinik, die von einheimischen Hebammen betreut wurde, mit angegliedertem Familienplanungsprogramm sowie eine WHO-Impftstelle. Wir konnten seinerzeit ca. 600 Patienten/Woche versorgen.
Die Arbeit war in jeder Weise eine Herausforderung – andere Menschen aus einem ganz anderen Kulturkreis, eine andere Sprache, andere Krankheiten und nicht zuletzt auch ganz andere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten – einfach alles war ganz anders als zu Hause. Hinzu kamen natürlich die anderen eigenen Lebensumstände und die zum Teil auch recht anstrengenden klimatischen Bedingungen in einem äquatornahen Wüstenklima zur Trockenzeit. Der Tag dauerte von 7.30 Uhr bis höchstens 22 Uhr, dann waren zum einen die Kräfte erschöpft, zum anderen fing die nächtliche Ausgangssperre an.
Wertvolle Erfahrungen


Die Tage und Wochen vergingen wie im Flug, und Mitte Januar hieß es Abschied nehmen von vielen inzwischen liebgewonnenen Menschen. So kehrte ich heim in eine andere Welt. Von der Rückreise erinnere ich noch an die Dusche im Transferhotel in Dubai und den Blick meines Lebensgefährten, als ich ihm einen übrig gebliebenen Schluck Wasser aus Khartoum zu kosten gab. Ja, Wasser kann so köstlich sein. Seither trinke ich gern auch mal Leitungswasser.

Die Zeit in Dafur war eine ganz außerordentliche und in jeder Hinsicht sehr wertvolle Erfahrung, an die ich auch heute noch gern zurückdenke und in der Zukunft gern anknüpfen würde.


Inzwischen umfangreiches Hilfsprogramm

Inzwischen hat sich dort Vieles verändert. Was zunächst mit einem kleinen Ärzteteameinsatz begann, hat sich mittlerweile zu einem umfangreichen Hilfsprogramm mit 220 sudanesischen und 8 internationalen Mitarbeitern ausgeweitet.

Humedica betreut hier etwa 150.000 Flüchtlinge in den Auffanglagern El Sereif, Otash und Al Salam, wo die Organisation jeweils eine medizinische Ambulanzstation betreibt sowie einen Entbindungsservice rund um die Uhr anbietet. Außerdem sind wir in der Lage, etwa 5000 Kindern Unterricht in einfachen Camp-Schulen zu ermöglichen, dies mit Hilfe der befreundeten Partnerorganisation Kindernothilfe.

Dr. Anja Fröhlich