Praxis Dres. Scholber, Fröhlich, Höbbel-Schnell

Hungersnot und Bürgerkrieg in Somalia

Am 18. August 2011 bin ich als Mitglied des dritten Humedica-Teams zusammen mit meiner ärztlichen Kollegin Mechthild Worthmann sowie den Koordinatoren Stefan Herla und Sven Ramones zu einem humanitären Noteinsatz in den von der schlimmsten Dürre seit vielen Jahren betroffenen südlichen Landstrichen Äthiopiens aufgebrochen. Nach einer 4-tägigen Reise – 3 davon auf grösstenteils unbefestigten Pisten – sind wir letztendlich in unserer Basisstation in Dolo Ado an der äthiopisch-somalischen Grenze angekommen. In diese abgelegenen Gegend im 3-Ländereck Äthiopien-Somalia-Kenia haben sich über 120000 Menschen - überwiegend Frauen und Kinder - geflüchtet, um der dürrebedingten Hungersnot und dem Bürgerkrieg in Somalia zu entgehen.
Über 40.000 Flüchtlinge in einem Lager


Flüchtlinge im Lager

Die ankommenden Flüchtlinge werden, nachdem sie zunächst in einem Auffanglager nahe der Grenze registiert und erstversorgt wurden, auf insgesamt vier verschiedene Flüchtlingslager verteilt. Unsere Aufgabe bestand darin, uns um die Verbesserung der medizinischen Versorgung in einem dieser Lager zu kümmern. Melkadida (so der Name des Lagers) liegt ca. 70 km entfernt von Dolo Ado mitten in der Halbwüste. Hie sind seit knapp 2 Jahren Behelfsunterkünfte für 40000 Menschen geschaffen worden. Es gibt eine sogenannte Health station, die von der staatlichen Organsation für die Belange von Flüchtlingen ARRA betrieben wird. In dieser arbeiten ausgebildete Krankenpfleger. Angeschlossen sind auch ein stationärer Bereich sowie eine Geburtshilfestation. Medikamente werden ebenfalls vom äthiopischen Staat gestellt und nach Verordnung kostenlos an die Flüchtlinge verteilt.

Arbeit in der Gesundheitsstation

Während unserer Tätigkeit in Melkadida haben wir die drei Sprechstunden (emergency, OPD und „under 5“) ärztlich unterstützt und uns in der Verbesserung der Versorgung der stationären Patienten engagiert.
Insbesondere der Gesundheitszustand der kleinen Kinder ist immer noch schlecht. Unterernährung und als Folge diverse Infektionskrankheiten (überwiegend schwere Atemwegsinfekte) sind weit verbreitet. Viele der Kinder sind in so schlechtem Zustand, dass sie akut intravenöser Medikamente und Flüssigkeit bedürfen. Außerdem leiden viele Kinder wie Erwachsene unter schwerer Blutarmut. Manche Patienten stellen sich auch mit frischen oder älteren Kriegsverletzungen vor.

Lange Wege für Patienten und Helfer

Im Rahmen des langfristig angelegten Humedica-Projektes werden die nächsten Teams an der Optimierung der Versorgung in der health station weiterarbeiten und einen zweiten sogenannten health post an einem entfernten Punkt des Lagers errichten, um die Wege für die Kranken, die bisher bis zu 4 km lang sind, kürzer zu halten. Hierzu wird ein schon vorhandenes Grundstück nahe am Flüchtlingslager demnächst bebaut, damit Folgeteams die langen Anfahrtstwege erspart bleiben und eine 24-Stunden Bereitschaft etabliert werden kann.

Hilfe noch für lange Zeit nötig

Das Humedica-Team Anja Fröhlich, daneben unsere Köchin, Prof. Dr. Heinrich Laube, Koordinator Bashir, Koordinator Stefan Herla, Dr. Mechthild Worthmann, Dr. Ahmed, daneben unser Fahrer.

Wir verliessen Äthiopien am 7. September mit dem guten Gefühl, vielen Menschen akut geholfen unseren Teil am Aufbau eines äußerst sinnvollen medizinischen Projektes geleistet zu haben.
Denn die vom Bürgerkrieg und der langanhaltenden Dürre gebeutelten Menschen im Süden Äthiopiens werden noch lange Zeit nach dem Ende der Dürre Hilfe von außen benötigen.

Dr. Anja Fröhlich